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Was ist aus Soft Power geworden?

CAMBRIDGE – Als sich das Jahr 2021 dem Ende neigte, hatte Russland Truppen in der Nähe seiner Grenze zur Ukraine zusammengezogen; China hatte Militärjets in die Nähe von Taiwan geflogen; Nordkorea verfolgte noch immer sein Atomwaffenprogramm und Taliban-Kämpfer patrouillierten in den Straßen von Kabul. Angesichts dieser Lage der Dinge fragten mich Freunde: „Was ist aus Soft Power geworden?“

Eine Antwort ist, dass sie in anderen Ereignissen aus jüngster Zeit zu finden ist, wie dem virtuellen Gipfel für Demokratie von Präsident Joe Biden, an dem Vertreter aus mehr als 100 Ländern teilnahmen. Nachdem China ausgeschlossen worden war, verkündete es über den Äther und die sozialen Medien, dass es über eine andere und stabilere Art von Demokratie verfüge als die, die von den USA gepriesen wird. Was wir sahen, war ein Wettbewerb der Großmächte um Soft Power, das heißt die Fähigkeit, andere durch Anziehungskraft und nicht durch Zwang oder Bezahlung zu beeinflussen.

Als ich 1990 zum ersten Mal über Soft Power schrieb, war ich bestrebt, eine Lücke in der Art und Weise zu schließen, wie Analysten gemeinhin über Macht nachdenken. Doch nach und nach stieß das Konzept auf immer mehr politische Resonanz. In mancher Hinsicht ist der zugrunde liegende Gedanke nicht neu; ähnliche Konzepte lassen sich bis zu antiken Philosophen wie Lao Tse zurückverfolgen. Soft Power bezieht sich auch nicht ausschließlich auf internationales Verhalten oder auf die USA. Auch viele kleine Länder und Organisationen verfügen über diese Anziehungskraft, und zumindest in Demokratien ist Soft Power wesentlicher Bestandteil der Führung.

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