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Wie Russen kämpfen

MOSKAU – Während des Zweiten Weltkriegs drehte der berühmte amerikanische Filmregisseur Frank Capra eine Dokumentarserie mit dem Titel „Why We Fight“. Ursprünglich vom US-Kriegsministerium als Schulungsfilm produziert, sollte der Kinostart die Amerikaner davon überzeugen, dass die Anti-Hitler-Koalition ihre Unterstützung benötigt und die Niederlage der Nazis unmittelbar den amerikanischen Interessen dient. Das Projekt war ein Erfolg, auch wenn es unmöglich ist, die Wirkung der Filme genau zu messen. In der Sowjetunion, einer weiteren wichtigen Konfliktpartei, bedurfte die Öffentlichkeit keiner derartigen Überzeugung, da der Kampf ums Überleben auf ihrem eigenen Territorium stattfand.

Das ist bei Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht der Fall. Der Kreml will seine „militärische Spezialoperation“ sicherlich als patriotisches Unterfangen darstellen. Doch viele Russen skandieren keineswegs den Slogan aus dem Zweiten Weltkrieg: „Unsere Sache ist gerecht, der Sieg wird unser sein“, sondern fragen sich, warum sie überhaupt kämpfen.

In einer Umfrage vom Januar gaben rund 25% der Befragten – und über 60% der Stadtbewohner und jüngeren Leute – an, dass sie den Krieg nicht unterstützen. Lediglich 27% der befragten jungen Leute sprachen sich für den Krieg aus. Das ist bemerkenswert in einem Land, in dem die Äußerung von Zweifeln an den Maßnahmen der Regierung dazu führen kann, dass man auf einer Liste „ausländischer Agenten“ landet oder Schlimmeres.

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