buruma170_ JIM WATSONAFP via Getty Images_biden executive orders Jim Watson/AFP via Getty Images

Der richtige Zeitpunkt für Joe Biden

NEW YORK – Es ist leicht, Joe Biden zu unterschätzen. Von einigen auf der Linken wurde der neue US-Präsident als Parteisoldat, Wendehals und Überbleibsel eines korrupten, kaputten Establishments abgetan. Ein Artikel in der konservativen Zeitschrift National Review trug die Überschrift: „Joe Biden: Personifizierte Mittelmäßigkeit“. Verfasst wurde er von dem politisch rechts stehenden Bewunderer „großer Männer“ Conrad Black, einem ehemaligen Zeitungsverleger und rechtskräftig verurteilten Betrüger.

Biden ist – bislang – kein „großer Mann“. Doch kann man jemanden, der vier Jahrzehnte in der Schlangengrübe der Washingtoner Politik tätig war und im Alter von 78 Jahren zum Präsidenten gewählt wurde, nicht ohne Weiteres abtun. Er ist zumindest äußerst geschickter Politiker.

Biden ist weder ein brillanter Denker noch ein heroischer Führer. Er ist auch nicht besonders charismatisch, was nach vier Jahren spektakulärer Misswirtschaft unter Donald Trump erfrischend ist. Falls Biden je eine originelle Idee hatte, hat er das geschickt verborgen. Bei seiner Präsidentschaftskandidatur 1988 schrieb er sogar aus einer Rede des britischen Politikers Neil Kinnock ab. Doch zumindest gab Biden dafür nicht seinem Redenschreiber die Schuld, sowie Trump und seine Frau Melania das nach ähnlichen Fehlleistungen taten.

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