rogoff188_aslan alphan_getty Images_debt Aslan Alphan/Getty Images

Staatsverschuldung hat ihren Preis

CAMBRIDGE – Angesichts der Tatsache, dass die Verzinsung von Staatsanleihen derzeit auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten liegt, argumentieren einige führende Ökonomen, dass fast jede hochentwickelte Volkswirtschaft einen Anstieg ihrer Schulden auf japanisches Niveau (selbst bei konservativster Bemessung über 150% vom BIP) zulassen könne, ohne sich besondere Sorgen über die langfristigen Folgen machen zu müssen. Die Befürworter einer deutlich höheren Verschuldung könnten Recht haben, aber sie neigen dazu, alles, was schiefgehen könnte, herunterzuspielen oder zu ignorieren.

Zunächst einmal setzt die neue Sicht der Verschuldung die Risiken, denen andere Anwärter auf öffentliche Steuereinnahmen dadurch ausgesetzt werden, zu niedrig an. Dies gilt etwa für Rentner, die man sich im Sozialstaat des 21. Jahrhunderts als nachrangige Gläubiger vorstellen kann. Schließlich sind die meisten Sozialversicherungssysteme in dem Sinne mit Schulden vergleichbar, als die Regierung einem heute Geld abnimmt und verspricht, es einem im Alter mit Zinsen zurückzuzahlen. Und diese „nachrangigen“ Schulden der Regierungen sind im Verhältnis zu den noch dazu kommenden „vorrangigen“ Markverbindlichkeiten enorm hoch.

Tatsächlich bezahlen die Regierungen in den OECD-Ländern derzeit im Schnitt 8% vom BIP als Altersrenten aus; im Falle von Italien und Griechenland sind es schwindelerregende 16%. Versicherungsmathematisch betrachtet belaufen sich die künftigen für die Auszahlung der Renten vorgemerkten Steuereinnahmen auf ein Vielfaches der für die Schuldentilgung vorgesehenen Einnahmen, obwohl viele Regierungen versuchen, die Renten allmählich abzusenken. Europa hat das während der Finanzkrise getan, und Mexiko und Brasilien unter Zwang in neuerer Zeit. Leider bleibt diesbezüglich, bedingt durch niedriges Wachstum und alternde Bevölkerungen, noch viel zu tun.

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