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Die Lücke der Ausbildungstechnologie schließen

LONDON – Im Jahr 2007 veröffentlichten die Harvard-Ökonomen Claudia Goldin und Lawrence F. Katz ihr Buch The Race Between Education and Technology (Das Rennen zwischen Ausbildung und Technologie). Darin argumentierten sie, Amerikas einst hervorragendes Ausbildungssystem könne nicht mehr mit den technologischen Veränderungen und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Disparitäten mithalten. Noch beunruhigender ist, dass sie dies wahrscheinlich auch heute noch behaupten würden. Auch kurz vor dem dritten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts bekommen viele Schüler und Studenten in den Vereinigten Staaten und im Rest der Welt nicht die nötige Ausbildung, um auf einen sich schnell verändernden Arbeitsmarkt reagieren zu können.

Im Rennen zwischen Mensch und Maschine liegt die Technologie ganz klar vorn. Die heutige Welle technologischer Veränderungen betrifft alle Industriebereiche. Sie erfordert Fähigkeiten, die viel fortgeschrittener und vielfältiger sind als das, was noch eine Generation zuvor von den Arbeitnehmern erwartet wurde. Da die Nachfrage nach hochqualifizierter Arbeit das Angebot bei weitem übersteigt, ist eine globale Elite bestens ausgebildeter und gut bezahlter Experten entstanden, die ein immer isolierteres Leben führt. Schlimmer noch, in den Entwicklungsländern hat die Mehrheit der Kinder im schulpflichtigen Alter immer noch keinen Zugang zu grundlegender Schulbildung, und für Millionen Menschen in aller Welt ist der Besuch einer Universität völlig undenkbar. Wir schätzen, dass auch im Jahr 2040 weltweit erst 25% der erwachsenen Bevölkerung über Qualifikationen oder Abschlüsse einer höheren Schulbildung verfügen wird, und dass ein größerer Anteil, nämlich 27%, entweder gar keine Schulbildung oder bestenfalls eine unvollständige Grundschulausbildung bekommt.

Daher wird sich dieser Graben zwischen einer gut ausgebildeten universitären Elite und den schlecht Ausgebildeten wohl noch vertiefen, was die Ungleichheiten innerhalb der Länder noch verschärft. Weltweit betrachtet könnten die Löhne durch höhere Ausbildung durchschnittlich um 16% gesteigert werden – und in den Ländern mit geringem Einkommen um bis zu 27%. Aber angesichts der Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz (AI) und Automatisierung wird diese Lücke wohl noch größer werden, weil sich die Fähigkeiten (oder die „angepasste Intelligenz“) der privilegierten Minderheit, die diese neuen Technologien bereits jetzt beherrscht, dadurch noch verbessern.

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