haass133_Brendan HoffmanGetty Images_ukrainerussiaconflict Brendan Hoffman/Getty Images

Die Entschärfung der Krise zwischen Russland und der Ukraine

NEW YORK – Im Laufe der letzten Monate hat Russland entlang seiner Grenze zur Ukraine eine große und schlagkräftige Streitmacht in Stellung gebracht. Wir wissen nicht warum (militärische Ressourcen sind immer leichter abzuschätzen als Absichten) oder ob überhaupt sich der russische Präsident Wladimir Putin für ein bestimmtes Vorgehen entschieden hat. Bislang hat er Optionen geschaffen, aber keine gewünschten Resultate erkennen lassen.

Die Situation erinnert an Juli 1990, als ein anderer Autokrat – nämlich Saddam Hussein – Truppen in erheblicher Stärke entlang der südlichen Grenze des Irak zu Kuwait aufmarschieren ließ. Ebenso wie heute präsentierten sich auch damals die Absichten nebulös, aber das Ungleichgewicht der Kräfte war augenfällig. Die arabischen Führungen rieten dem damaligen US-Präsidenten George H.W. Bush, nicht überzureagieren. Man war überzeugt, dass es sich um einen Trick Saddams handelte, um Kuwait zu Maßnahmen zur Erhöhung des Ölpreises zu zwingen, was wiederum zur wirtschaftlichen Erholung des Irak beitragen und die Wiederaufrüstung nach dem langen Krieg gegen den Iran ermöglichen sollte.  

Anfang August jedoch war das mutmaßliche politische Theater nur allzu real geworden. Dem Einmarsch folgte die Landnahme und es bedurfte einer massiven internationalen Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten, um die irakischen Streitkräfte aus Kuwait zu vertreiben und die Souveränität des Landes wiederherzustellen.

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