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rajan57_DrewAngererGettyImages_jeremypowelltrump Drew Angerer/Getty Images

Die Notenbanken sind die Sündenböcke

CHICAGO – Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist wieder ein Nachrichtenthema. In den USA beschimpft Präsident Donald Trump die Federal Reserve, weil sie die Zinsen zu hoch halte, und hat Berichten zufolge die Möglichkeit prüfen lassen, Notenbankchef Jerome Powell aus dem Amt zu zwingen. In der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan den bisherigen Notenbankchef entlassen, und dessen Nachfolger verfolgt nun eine Politik steiler Zinssenkungen. Und dies sind durchaus nicht die einzigen Beispiele dafür, wie populistische Regierungen in den letzten Monaten die Notenbanken ins Visier genommen haben.

Theoretisch bedeutet die Unabhängigkeit der Notenbanken, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger, weil sie sich nicht den Wählern stellen müssen, die Freiheit haben, unpopuläre aber notwendige Entscheidungen zu treffen, insbesondere was die Bekämpfung der Inflation und finanzieller Exzesse angeht. Gewählte Mandatsträger werden angesichts derartiger Entscheidungen ungeachtet der längerfristigen Kosten immer versucht sein, eine weichere Antwort zu wählen. Um dies zu vermeiden, haben sie die Aufgabe, direkt in geld- und finanzpolitische Angelegenheiten einzugreifen, den Notenbankern übertragen, die in ihrer Entscheidung, wie sie die vom politischen Establishment vorgegebenen Ziele erreichen, völlig frei sind.

Dieses Arrangement erhöht das Vertrauen der Anleger in die geld- und finanzpolitische Stabilität eines Landes, und sie belohnen das Land (und sein politisches Establishment), indem sie niedrigere Zinsen auf dessen Staatsanleihen akzeptieren. In der Theorie lebt das betreffende Land dann glücklich bis ans Ende aller Zeiten, mit niedriger Inflation und stabilem Finanzsektor.

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